Dienstag, 20. September 2011

Eine leckere Versuchung in Stücken

Ein Stück vom Glück zum Essen

Süße Versuchungen wie Schokolade machen happy


Frauen sind verrückt danach und einige würden sogar dafür auf die körperliche Liebe verzichten. Oder aber sie lassen sich erst durch feinstes Konfekt dazu verführen. Die Werbung hat diesen Dauer-Trend schon lange erfasst und läßt sich immer mehr verlockende Créationen in aufwändigen Verpackungen einfallen. Die Schokoladen-Industrie boomt und das nicht zur am Valentinstag, zu Ostern, Weihnachten oder Muttertagen.

Sogar die Filmbranche entdeckte die Schokolade für sich und ließ die bezaubernde französische Schauspielerin Juliette Binoche in ‘Chocolat’ Männern den Kopf verdrehen. Was ist dran an der feinen Schokolade, die auf der Zunge zergeht und angeblich dick macht und vor der deshalb heftigst gewarnt wird?

Aus den tropischen Regenwäldern gewonnen

Die Schokolade wird aus Kakaobohnen hergestellt. Der Kakaobaum wächst im Dschungel Zentral- und Südamerikas. Einst entsprang er den tropischen Regenwäldern des Amazonasbeckens in Südamerika. Erst später wurde er nach Costa Rica und Mexiko gebracht. Kakaobäume gibt es aber auch auf Madagaskar, Sri Lanka, den Philippinen, in Ghana, Nigeria, Malaysia und Hawaii.

Altes Aphrodisiakum

Schon die Azteken wußten die Schokolade als Aphrodisiakum und Energiespender zu schätzen. Im Gegensatz zu dem heute bekannten Getränk mußten die Azteken mit einem bitteren Gebräu aus Kakaobohnen vorlieb nehmen. Montezuma soll sich vor seinen Besuchen in dessen Harem ausgiebig mit diesem Getränk ‘gestärkt’ haben. Den aztekischen Kriegern verlieh es die Energie, die sie brauchten, um in die militärischen Schlachten ziehen zu können.

Die Zubereitung war denkbar einfach. Die Bohnen wurden in einem Topf über offenem Feuer getrocknet und anschließend zwischen zwei Steinen zu einem Mehl zerrieben. In Verbindung mit Wasser und Chili entstand das fertige Produkt, dem nur noch Maismehl zur Verdickung beigemischt wurde. 

Früh nach Europa gebracht

Nach Europa gelangte der Kakao durch Columbus und Cortez, die dem spanischen König zwischen 1502 und 1528 die Bohnen als Geschenk überreichten. Um dem Kakaogetränk mehr Geschmack zu verleihen, fügten die Spanier Zucker und Zimt hinzu und hüteten dieses Rezept wie einen Silberschatz. Über Spanien kam der Kakao nach Frankreich und 1657 auch nach England sowie in die nordamerikanischen Kolonien der Holländer und Engländer.

Mühsame Verarbeitung

Von der Kakaobohne bis zum fertigen Produkt als Schokolade oder Kakaogetränk sind viele mühsame Arbeitsgänge notwendig. Erst nach sieben Jahren ist der Kakaobaum reif, um Früchte zu tragen. Sechs Monate dauert die Reifung der mandelgroßen Bohnen. Ein Baum trägt rund 50-60 Früchte mit je 20 oder 40 Bohnen. Die Ernte und das Öffnen der Bohnen werden nach wie vor von fleißigen Arbeitern von Hand ausgeführt. Die Blütenbüschel, die neben den Früchten wachsen, dürfen nicht beschädigt werden. Eine große Anzahl an Ingenieuren versuchte, Maschinen für die Ernte zu konstruieren. Leider ohne Erfolg. Dafür aber bleiben die Arbeitsplätze in der Ernte auf den Plantagen erhalten. Die feuchten, von Hand verlesenen Bohnen werden auf der Plantage fermentiert und beim Produzenten geröstet. Diese Röstereien befinden sich meist im Ausland.

Dutching verfeinert das Aroma

Nach der Röstung wird das Bohnenfleisch (Nib) zu einer Paste gemahlen. Durch den niederländischen Chemiker Conrad J. van Houten wurde 1828 ein Verfahren entwickelt, das aus der Paste eine genießbare Schokolade werden ließ. Das ‘Dutching’ oder die ‘Alkalisierung’ durch Alkalisalze ermöglichte die Herstellung des heutigen Kakaopulvers. Spätere Schokoladenhersteller kamen dann auf die Idee, die Kakaobutter zu schmelzen und mit Zucker und gemahlenen Kakaobohnen zu vermengen. Daraus entstand die erste Essschokolade. 1875 führte die Firma Henri Nestlé die Schweizer Milchschokolade aus Zucker, festen Milchbestandteilen und festen Kakao-Anteilen sehr erfolgreich auf dem Markt ein. 1879 erfand der Schweizer Chocolatier Rodolphe Lindt eine Rühr- und Knetmaschine, die der Schokolade die Restbitterkeit nahm. Das Verfahren wird ‘Conchieren’ genannt und verleiht dem Endprodukt ein angenehmes und feines Aroma. Beim Conchieren gehen Nuancen verloren und andere wie Vanille, Minze, Zimt oder Nelken werden beigemengt. Schokolade ist nicht gleich Schokolade. Hochwertige Produkte enthalten 70 Prozent Kakaomasse, Massenware jedoch nur 10 Prozent. Es lohnt sich also, genauer auf die Verpackung zu sehen und auch einmal teuere Marken zu probieren. Der Gaumen und die Gesundheit werden es einem danken. Von Lindt gibt es seit September 2008 eine Bitterschokolade, die gar nicht bitter schmeckt. Und von Milka sogar Diätschokolade mit einem Süßungsmittel. Leckere  belgische Pralinen, die luftig sahnig schmecken, gibt es in der Altstadt bei Leonidas und Simone Keppler. Selbst Schweizer finden den Weg zu ihr und sind schon zu Dauergästen geworden.
© Corinna S. Heyn

Literatur:
Debra Waterhouse, Frauen brauchen Schokolade. Lust-Essen: den Signalen des Körpers vertrauen. Goldmann, München 1995.

Sylvia Bieker/Christine Ellinghaus, Schokolade. Das süße Glück. dtv, München 2000.

Nicola Schreiber, Vom Genuss der Schokolade. Warum die süße Versuchung uns glücklich macht. Falken, Niedernhausen 1999.

Yannik Lefort, Jeden Tag Schokolade. 100 Schlemmerrezepte. Müller-Rüschlikon, Cham 1997.

Dr. med. Dörten Wolff, Die revolutionäre Impuls-Diät. Schlank werden mit Appetit. Abnehmen, gesund werden, sich wohl fühlen wie von selbst. Mosaik, München 2001.


Gesunde Schokolade und ihre Inhalte:

1. Sie enthält Phenylethylamin aus der Gruppe der Endorphine, die Schmerzen lindern und euphorisch machen können.
2. Schokolade ist ein sehr guter Magnesium-Lieferant und schützt somit vor Stress.
3. 50g Schokolade pro Tag machen nicht dick.
4. Schokolade enthält viele Mineralien wie Zink, Kupfer, Eisen, Mangan und Spurenelemente.
5. In der Schokolade findet sich eineinhalbmal so viel Kalium wie in Vollkornbrot. Kalium wirkt einem zu hohen und schädlichen Salzgehalt im Körper entgegen.
6. Schokolade hat antioxidantische Eigenschaften und kann somit vor Krebs und Herzinfarkt schützen.
7. Schokolade liefert wertvolle Energie.
8. Die Polyphenole in der Schokolade beugen Herzinfarkt und Schlaganfall vor.
9. Die Flavonoide in der fermentierten Kakaobohne können vor Krebs schützen.
10. Auch die im Kakao vorkommende Ferulasäure beugt Krebs vor.